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Interview mit Collien Fernandes "Die Eine 2008"vom 28.08.2008 Interview in Berlin vom 2. Juli 2008 im Rahmen des Modelcenterwettbewerbs DIE EINE 2008Frage: Sag mal Collien, überall finden Castings statt – macht es für Nachwuchsmodels überhaupt Sinn, da noch zu möglichst vielen hinzugehen? Collien: Ich finde jedes Casting, was gemacht wird, sehr gut, weil es schon sehr schwer ist, in die Branche reinzukommen. Da hilft es natürlich sehr, wenn man unterstützt wird oder vielleicht bei einem Contest entdeckt wird. Frage: Wie geht man denn mit all den Rückschlägen um, die man ja sicher auch einstecken muss? Collien: Ich bin immer auf sehr viele Castings gegangen. Beim Moderieren war es schwieriger. Da gibt es unglaublich viele Shows, die produziert werden, und ich bin zu vielen Castings gegangen und dann hieß es immer: „Ja, total super, aber wir hätten gern ‘ne Blonde, nein, wir hätten gern ‘ne Größere, wir hätten gern ‘ne Dunklere“. Irgendwie war ich immer bis kurz davor – aber nie am Ziel. Man darf sich von so etwas nicht unterkriegen lassen, man muss einfach immer weiter machen und sich von solchen Niederlagen nicht unterkriegen lassen. Frage: Kratzt das nicht am Selbstwertgefühl? Collien: Keineswegs. Fürs Selbstwertgefühl ist das sogar wichtig, denn man weiß, ich habe mich jetzt gegen so und so viele Leute durchgesetzt, das wird schon klappen. Frage: Man lacht ja öfters auch mal über Models, die über den Laufsteg stolpern. Ich kann mir vorstellen, dass das wohl das Schlimmste ist, was passieren kann, oder? Collien: Schon. Aber beim Gehen ist es natürlich wichtig, dass man nicht zu große Schritte macht und nicht zu trampelig wirkt. Vor allem wenn man High Heels anhat, ist das natürlich auch ein bisschen schwer. Man sollte kleine Schritte machen, möglichst die Beine dabei kreuzen und ein wenig mit den Hüften wackeln, aber nicht zu viel.“ Frage: Stimmt es eigentlich, dass Models lernen, gelangweilt zu schauen? Collien: (lacht) Man muss natürlich bewusst gelangweilt schauen. Das heißt, wenn man einfach nur so schaut und dabei entgleisen dann die Gesichtszüge - das sieht natürlich nicht besonders elegant aus. Frage: Nenn doch mal ein Beispiel. Collien: Gern. Eigentlich hat Paris Hilton das gelangweilte Schauen perfektioniert. Sie guckt immer auf eine sehr arrogante, unnahbare Art gelangweilt und das machen viele Models. Die haben ihr das - glaube ich – nachgemacht: Vor allem dieses „ich bin etwas Besseres“. Frage: Und stehen? Wie steht man denn richtig als Model? Collien: (wehrt lachend ab) Es gibt ja mindestens eine Million verschiedene Arten, wie man stehen kann. Man sollte natürlich nicht irgendwie wie ein Bauer in der Ecke stehen. Und vor allem, was sehr grazil rüberkommt, ist, wenn man einen Arm in der Hüfte abwinkelt und den anderen ein wenig baumeln lässt. Das sieht am elegantesten aus. Man darf einfach nicht zu verkrampft sein beim Herumstehen. Ich denke jetzt an eine Cocktailparty, wo man ein Glas Sekt in der Hand hat und dann, wenn man etwas erzählt, mit der einen Hand gestikulieren kann. Also: Möglichst locker sein. Frage: Viele hübsche Mädchen halten sich aber gar nicht für so hübsch. Collien: Das stimmt. Ich kann nur jedem sagen: Traut euch, mitzumachen, weil man sehr oft zu Hause herumsitzt und denkt „Ach, warum sollen die denn gerade mich nehmen?“ So ging es mir auch bei meinen ersten Castings. Aber man kann nur rausfinden, ob man das Zeug dazu hat oder nicht, wenn man mitmacht. Ich kann jedem nur raten: kommt unbedingt vorbei. Macht mit. Am Ende werden ja gar nicht so 08/15-Models gesucht, sondern diejenigen, die etwas Besonderes haben, das besondere Etwas. Die Eine 2008. Frage: Model sein bedeutet aber doch sicher auch, dass man ständig top aussehen muss, oder? Collien: Im Gegenteil. Es ist sehr wichtig, dass man als angehendes Model nicht zu aufgebrezelt erscheint. Ehrlich! Keiner möchte Models sehen, die tonnenweise Schminke im Gesicht haben, weil es ja wichtig ist, auch etwas von der Person zu sehen, und wenn die Person sich hinter riesigen Kleidern und Highheels und tonnenweise Make-up und hochfrisierten Haaren versteckt, dann erkennt man von der eigentlichen Person nichts. Ein bisschen schminken – ja. Aber eher dezent, die Haare sehr dezent gemacht und natürliche Sachen anziehen, so dass die Leute die Models suchen, wirklich erkennen, was dahinter steckt und für welche Kampagnen das Mädchen sich vielleicht eignet. Es ist wichtig, dass man selbstbewusst auftritt - vielleicht vorm Spiegel mal Posen üben, Lachen üben und dann kann eigentlich nichts schiefgehen.“ Frage: Wie bereitet man sich denn am besten vor? Collien: Vorbereitung ist verdammt wichtig. Das unterschätzen viele. Ich bin zum Beispiel auch ohne Vorbereitung ein paar Mal richtig auf die Nase gefallen, weil man sich einfach auf andere Leute verlassen hat, die gesagt haben „Ja, wir machen das für dich, du musst das nicht machen. Wir besorgen dir die Infozettel, du musst nicht irgendetwas im Internet selbst herausfinden“. Und dann stehst Du da mit diesen Leuten und sagst: „Meine Infozettel bitte“. Peinlich ist es, wenn die dir dann sagen „Ach, das tut mir Leid, ich hab das vergessen“. Da verlässt man sich besser nur auf sich selbst. Und wenn man irgendwo zu einem Job fährt, dann sollte man genau recherchieren, was das für eine Firma ist, was die machen. Und vor allem, dass man dann nicht vor dem Geschäftsführer steht uns sagt „Sie machen aber schöne Lippenstifte“ – und die Firma Autoreifen herstellt. Frage: Stimmt eigentlich das Vorurteil, dass Models nur wandelnde Kleiderstangen sind? Collien: Nein. Mir ist bei einem Model sehr wichtig, dass da auch inhaltlich etwas rüberkommt. Es gibt Mädels, die sind eine total schöne Hülle, im Bikini sehen die wunderbar aus, aber wehe, sie fangen an zu sprechen. Viele Models sind innen tot. Es ist natürlich sehr wichtig, dass man auch bewusst lebt, gerne lacht und genauso gerne Model ist. Bei Shootings kann man ja nicht einfach nur da herumstehen und Schön sein, sondern muss Spaß daran haben, was man macht. Auf Facebook posten geschrieben von: Die Eine 2008 zurück | ||||||
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