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Entertainment (Interviews)

DJ Mellow-D aka Mellow Trax

vom 12.03.2004

Für alle die, die dich nicht kennen, wo genau kommst du her, wo ist dein Lebensmittelpunkt?

Ich komme aus Pinneberg, einer Vorstadt von Hamburg. Ich bin hier geboren und aufgewachsen – wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich irgendwie hier geblieben bin und es mich noch nicht woanders hin verschlagen hat.


Wie bist du zu deinem DJ Namen gekommen?

Das war irgendwie so ein Wortspiel. Ich habe immer bei meinem Style darauf geachtet, daß jeder von mir gespielte Track irgendwie eine Art Botschaft hat oder irgendetwas, was hängen bleibt. In den meisten Fällen bleibt einem die Melodie, bzw. die Hook hängen ( darum heißt sie wohl auch Hook ) – es war irgendwie dann Zufall, wie es zu dieser Namensgebung und dieser Schreibweise kam.


Seit wann legst du schon auf?

Eigentlich schon, seit ich 8 Jahre alt bin. In meinem Elternhaus gab es früher immer sehr viele Parties an den Wochenenden und mein Vater ist damals so ein fanatischer Plattensammler gewesen. Jede Woche kam er mit einem Stapel 7“-Singles nach Hause, die wir uns gemeinsam anhörten. An den Wochenenden waren dann immer diese Parties und er hat aufgelegt. Wenn er dann mal tanzen oder zum Klo wollte, hab ich ihn vertreten. So habe ich meine Leidenschaft für Vinyl entdeckt. Später habe ich dann die Schulaula gerockt und bin dann 1989 in meinem ersten Resident-Laden, der Carina in Pinneberg, gelandet. Ich habe mich dort mit den DJs angefreundet und schon bald ergab sich die Möglichkeit, mal das Vorprogramm oder die Urlaubsvertretung zu machen. Später war ich 5 ½ Jahre lang fester Bestandteil des Ladens, bevor ich dann als DJ nach Hamburg gegangen bin.


Hast du einen „normalen“ Beruf gelernt?

Ja, ich habe Groß- und Außenhandelskaufmann gelernt. Ich wollte zumindest eine abgeschlossene Lehre in meinen Händen halten, wenn irgendetwas in meiner beruflichen Laufbahn mal in die Hose gehen sollte.

Wie bist du zur elektronischen Musik gekommen?

Ich bin in den 80ern groß geworden. Da erlebst Du als Kind die Geburt von Synthesizern und Bands wie Depeche Mode, Yazoo und anderen Synthie-Ikonen. Meine erste Platte war Living on Video von Trans-X – damals schon ein Ohrwurm und heute ein Mega-Klassiker. Ich denke, das prägt. Ich habe mich viel mit Musik und dem Drumherum beschäftigt – mit allem, was ich in die Finger bekam. Aber die elektronische Musik hat in mir irgendetwas ausgelöst, was mich seitdem fesselt und nicht wieder los läßt.


Welche Musikrichtung bevorzugst du privat?

Ich lege mich da nach wie vor nicht fest. Wenn mir etwas gefällt, dann nicht, weil es einem bestimmten Genre zuzuordnen ist. Ich mag an sich sehr viele Stilistiken, aber es muß mich irgendwie berühren. Die am Anfang erwähnte Hook, ein Drumloop, ein Groove oder irgendetwas, was ich auch nach 30 Minuten nicht vergessen habe, muß in einem Song oder Track drin sein. Das kann eine schöne Stimme oder auch nur ein mich fesselnder Sound sein. Ich bin allerdings mittlerweile an einem Punkt, an dem ich bei vielen Sachen, die im Radio laufen, genervt bin und abschalte. Deshalb höre ich auch nur Sender, die Sachen aus meiner Kindheit oder Jugend spielen. Von den meisten Produktionen, die heutzutage im normalen Radioprogramm laufen, bin ich schnell genervt. Ich kann es nicht ertragen, wenn Sängerinnen wie eine Beyoncé mir in jedem ihrer Stücke 3:30 min. lang nur Ad-libs um die Ohren knallen, um mir zu beweisen, daß sie auch wirklich alle Oktaven drauf hat – das glaube ich ihr auch so.


Deine neue Produktion, Mellow Trax feat. INXS – Mystify, hat voll eingeschlagen,
in allen Dance Charts mindestens TOP 10, wie ist es zu dieser Zusammenarbeit mit der Kult Gruppe INXS gekommen?


Ich bin eines Tages von meiner Plattenfirma gefragt worden, ob ich mir eine solche Zusammenarbeit vorstellen könnte. Ich hab gesagt. „Klar. Ausprobieren kann man das ja mal.“ Es war nicht ganz einfach, das richtige Stück aus ihrer Schaffenszeit auszuwählen. Am Anfang war mein Favorit „Need you tonight“, aber das scheiterte daran, daß das Original nur 107 BpM hatte. Also schlug meine Frau „Mystify“ vor – hier gab es von Haus aus schon 130 BpM. Ich setzte mich also ran und habe wochenlang an einem Demo geschraubt. Ziel war es, INXS würdig neu zu interpretieren und dennoch Mellow Trax durchklingen zu lassen. Ich war ehrlich gesagt am Anfang nicht sehr überzeugt von meinem Demo. Es klang irgendwie noch nicht wirklich rund, aber mir fiel irgendwann auch nichts Neues mehr ein. Also habe ich es erstmal nach Australien geschickt, um es von der Band und dem Management absegnen zu lassen. Die sagten zu und schickten mir daraufhin die einzelnen Spuren des Tracks – vorher hatte ich ja nur mit geschnittenen Samples aus dem Original gearbeitet. Nun ging alles recht schnell – mit den einzelnen Parts konnte man viel besser und sauberer arbeiten und nach und nach kamen mir hier und da noch ein paar Ideen, wie man das Ganze richtig rund bekommen würde. Ein paar Tage feilten die Jungs bei Zeitgeist und ich an der fertigen Fassung – hier mal was am Arrangement verändert, dort mal eine andere Synth-Linie ausprobiert. Naja und danach war ich auch richtig zufrieden mit dem Original. Ich habe dann innerhalb ein paar Stunden noch den Rock-a-lot-Mix gemacht und habe damit unbewußt einen netten Alternativ-Mix zum Original gezaubert, den man ziemlich gut zur Tocadisco-Single „Nobody…“ spielen kann. Als ich das White Label dieser Scheibe geschickt bekam, war meine Mystify schon eine Woche im Presswerk und ich war daher sehr überrascht, wie ähnlich sich doch beide Nummern waren. Naja – zwei Doofe – ein Gedanke… ;-)


Hast du schon ein neue Single in Arbeit?

Ja, ich mache gerade noch eine neue Version meiner „Days of Glory“, die der Opener meines neuen Albums wird. Dazu wird es auch noch einen sehr fetten Meteor Seven-Remix geben.


Und planst du da auch wieder eine Zusammenarbeit mit einer Gruppe/Künstler aus einem anderen Genre?

Nicht bei dieser Single. Ich möchte eigentlich auch nicht, daß es irgendwann heißt, ich würde nur Kooperationen für meine Singles eingehen oder nur Remakes machen. Durch die Outa Space, die Sway und die Mystify wird man da schnell in eine Schublade gesteckt, aus der man nur schwer wieder rauskommt. Ich möchte lieber aus altem Sound-Material etwas Neues machen. Ich finde es spannend, sich von alten Tracks inspirieren zu lassen, hier und da ein paar Parts zu nehmen und daraus etwas Neues entstehen zu lassen. Es ist einfach heutzutage sehr sehr schwer geworden, was Eigenes auf die Beine zu stellen, was sich wirklich von allem anderen abhebt, da müssen wir uns nichts vormachen. Daher habe ich großen Respekt vor allen Künstlern, die ihr Ding durchziehen und neben diesen ganzen zusammengecasteten und mediengepushten Acts bestehen und die Fahne hochhalten. Ich habe da aber, um mal wieder zum Thema zu kommen, noch so ein paar Sachen, die in der nächsten Zeit von mir kommen werden, bei denen es sehr coole Zusammenarbeiten gegeben hat – mehr wird da aber noch nicht verraten… 


Wird es vielleicht demnächst wieder eine Produktion unter deinem DJ Namen DJ Mellow-D geben?

Ich denke, vorerst nicht. Ich habe in der Vergangenheit unter „DJ Mellow-D“ trancige Geschichten gemacht, die mich momentan einfach nicht so kicken, wie die coolen Sachen, die ich als Mellow Trax produziere. Wenn dieser „Bierzelt-Trance“ irgendwann mal ein Ende gefunden hat, werde ich vielleicht auch mal wieder etwas in der melodischeren Richtung machen – mal sehen.


Deine neues Album steht kurz vor der Veröffentlichung, wie wird es heissen und vor allem, was können wir erwarten?

Das neue Album heißt „How 2 Rock“ und beantwortet damit eigentlich schon Deine Frage. Ich habe versucht, auf dem Album mehrere Styles zu kombinieren und dennoch meinem Stil so treu zu bleiben, daß ich jeden Track während einem meiner Sets spielen könnte. Was das gesamte Album als sogenannter roter Faden durchfließt, ist zum einen, daß es verschiedene Styles gibt, zu denen man im Club rocken kann und zum anderen habe ich textlich in den Tracks das Thema aufgegriffen, daß ich etwas traurig darüber bin, wie im Clubbereich die musikalische Entwicklung ihren Lauf genommen hat.


Was hältst du von der derzeitigen Entwicklung in der Dance/Trance/Techno Szene und was müssen wir noch befürchten, oder wird jetzt alles wieder besser?

Was ich eben schon angesprochen habe – es ist momentan eine ziemlich traurige Entwicklung in den Läden in Deutschland. Du erlebst heute kaum noch einen Laden, in dem Du auf Gäste triffst, die sich freuen, daß Du für sie auflegst und die sich musikalisch vom DJ einfach treiben lassen. Ich treffe leider immer öfter auf Läden, in denen die Leute nur rumstehen und nichts machen, bis sie nicht von einem mit einem Mikro bewaffneten DJ zu einer Handlung aufgefordert werden. Ich meine – wo sind wir denn, wenn die Gäste mit T-Shirts oder CDs auf die Tanzfläche gelockt werden müssen, anstatt auf die Tanzfläche zu gehen, um das zu tun, weshalb sie doch eigentlich in die Läden gekommen sind - die Musik zu fühlen und Energien freizusetzen. Ich schwelge da manchmal in so schönen Erinnerungen – als Techno für uns alle neu war – das war so Anfang der Neunziger – da sind wir auf die Parties gegangen und haben 8 Stunden durchgetanzt, haben jeden Track genossen und nicht eine Scheibe doppelt gehört. Wir kamen mit 3 oder 4 DJs aus, die wir alle wie Götter gefeiert haben und sind durchgedreht, wenn ein bestimmter Sound in einem Track anfing. Da hatten wir aber auch diese Musik immer nur an den Wochenenden. Du konntest sie nur auf Vinyl irgendwo in kleinen Shops kaufen – es gab weder VIVA, noch Sunshine Live. Heute ist alles allgegenwärtig. Das ist zwar für die Vermarktung der Musik gut, birgt natürlich aber auch den Nachteil, daß alles sehr schnelllebig geworden ist und die meisten Tracks nur noch als Eventmusik zu betrachten sind. Die Halbwertzeit einer Clubnummer ist heute deutlich niedriger als noch vor ein paar Jahren. Darunter hat natürlich auch die Qualität der einzelnen Tracks gelitten. Jeder hat heutzutage die Möglichkeit, auf relativ einfache Weise relativ gute Musik zu produzieren. Dadurch steigen natürlich die Zahlen der Newcomer, die die Plattenfirmen mit ihren Sachen zuschütten. Ein Großteil davon ist aber leider nicht geeignet für eine Veröffentlichung, weil entweder die Produktionsqualität nicht stimmt oder die Tracks einfach zu billig wirken oder katastrophal arrangiert wurde. Es sind aber in jüngster Vergangenheit mehr und mehr schlechte Sachen veröffentlicht worden und geben natürlich jedem Newcomer den Nährboden zu glauben, daß seine eigenen Sachen qualitativ nicht unter den anderen Sachen liegen. Eigentlich ganz logisch. Resultat ist aber leider, daß so der musikalische Anspruch mehr und mehr sinkt und selbst so schlechte Sachen in den Charts erfolgreich sind, die man vor wenigen Jahren noch weggeschmissen hätte. Konsequenz daraus wiederum ist, daß es in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Ländern musikalisch so niveaulos zugeht und die wirklich guten Sachen, die auch im Ausland super-erfolgreich sind, bei uns nur ein Schattendasein fristen. Ich wage deshalb auch keine Prognose, ob es in naher Zukunft musikalisch gesehen für uns Club-Fans besser aussehen wird oder nicht – ich hoffe jedoch, daß wir als DJs in den Clubs bald wieder auf gut gelaunte, motivierte Gäste treffen, die durch ihre gute Laune auch dem DJ mal wieder ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Nichts ist für einen DJ schöner, als positives Feedback auf seine Musik den Leuten in noch besserer Musik und Stimmung wiedergeben zu können…


Was war dein schlimmstes Erlebnis bei einem Auftritt, welches du nie vergessen wirst?

Das ist noch gar nicht so lange her. Ich war gebucht in einem Laden in einem winzigen Dorf in Bayern und fand bei meiner Ankunft ein superschäbiges Hotel, sowie im Laden etwa 5 Gäste und einen mies gelaunten Geschäftsführer vor. Nach einer halben Stunde meines Sets nahm der Geschäftsführer meiner Frau und mir die Getränke wieder weg und forderte mich nach weiteren 10 Minuten auf, unverzüglich den Laden zu verlassen. Das aber auf eine so asoziale Art und Weise, wie ich sie mir nie von einem Mann in seiner Situation hätte träumen lassen.

Wann bist du das nächste Mal in Meck Pomm zu hören, bzw. dann wo genau?
(Am 26.6. natürlich ;@), wat ne Frage )

Ich bin ja alle 2 Monate sozusagen schon Inventar vom Joy Planet in Bad Doberan und spiele dort immer sehr sehr gerne. Ansonsten sind ja meine Termine immer auf meiner Homepage ( www.mellow-d.dj ) einzusehen. Zu Deinem Geburtstag im Juni geben wir natürlich richtig Gas…
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geschrieben von: devils

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