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Ginkgo: Keine Modeerscheinung, sondern bereits ein Freund Goethes

Mit Blick auf die Bandbreite an Anwendungen, die heute mit dem Ginkgo-Baum in Verbindung stehen, könnte man den Urbaum fast in die Rubrik „Trends“ einordnen. Doch modern und neu ist der Ginkgo keineswegs. Vielmehr bezauberte der hübsche Baum bereits im 18. und 19. Jahrhundert die Menschen.

Abbildung 1: pixabay.com © WikimediaImages (CC0 Public Domain)

Woran das festzumachen ist? Kein geringerer als Johann Wolfgang von Goethe verfasste einst ein Gedicht über den Ginkgo-Baum. Von dieser Erkenntnis zu weiteren Recherchen motiviert, soll nun aufgezeigt werden, dass der Ginkgo bereits vor den Dinosauriern existierte und heute weder aus der Medizin noch aus der Homöopathie wegzudenken ist.

Zur Geschichte des Ginkgo

Wer in der Historie gräbt, findet auf dem Informationsportal ginkgo.info diese Fachinformation: „Der Ginkgo existierte bereits vor mehr als 250 Millionen Jahren. (...) Weil die Eismassen in Europa und Nordamerika die vorhandene Flora zerstörten, gingen die meisten Forscher davon aus, dass der Ginkgo ausgestorben war. Doch als Ende des 17. Jahrhunderts ein deutscher Botaniker nach Japan aufbrach, um die dortige Fauna zu studieren, stieß er auf ein Exemplar eines Baumes, das er als ‚einen nusstragenden Baum mit venushaarfarnähnlichen Blättern‘ beschrieb. Der Baum wuchs bis zu einer stattlichen Größe eines Walnussbaums heran.“

Rein biologisch betrachtet ist der Ginkgo schwer einzuordnen, denn er hat Charakterzüge des Laub- und des Nadelbaumes gleichermaßen: Mit Blick auf seine großen Blätter, ist er rein äußerlich in die Gruppe der Laubgehölze einzuordnen. Da der Samen jedoch ohne Hülle ist, könnte man ihn an dieser Stelle auch mit voller Berechtigung zu den Nadelbäumen gruppieren, die ebenso dieses Merkmal aufweisen. Die Botaniker konzentrieren sich vornehmlich auf die Vermehrung und rechnen den Ginkgo im Übrigen den Nadelbäumen zu.

Ginkgo als Heilmittel mit Tradition und klinischer Bewandtnis

Grundsätzlich muss bei jeder Nutzung immer unterschieden werden, ob die Samen, die Nüsse oder die Blätter verarbeitet werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Die unterschiedlichen Wirkungsmöglichkeiten sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst:

Teil des Ginkgos

Wirkungsweise

Ginkgo Nüsse

Bei Asthma, Blasenschwäche, Ausfluss, Hustenreiz und zur Verdauungsförderung werden Ginkgo-Nüsse heute eingesetzt.

Ginkgo Samen

Bei Asthma, Husten und Schnupfen, Schweißbildung, Fieber, Angst und Stress sowie zur Gemütserhellung wird Ginkgo Samen genutzt.

Ginkgo Blätter

Ginkgo Blätter wirken sich positiv auf die Hirnleistung, die Lern-, Denk- und Konzentrationsfähigkeit des Menschen aus. Auch bei Hyperaktivität, Hauterkrankungen und Arthritis sowie bei Depressionen, Ängsten und Demenz wird auf die Kraft des Ginkgos gebaut.

Der traditionelle Einsatz von Ginkgo liegt zu weiten Teilen in der chinesischen Medizin begründet. Stoffwechselkrankheiten, Durchblutungsstörungen, Husten und Schnupfen sowie Wassereinlagerungen, Gelenkentzündungen und Erfrierungen sind die Krankheiten, gegen die Ginkgo als Heilmittel eingesetzt werden kann, so heißt es in der Chinesischen Volksmedizin. Die TCM, die traditionelle chinesischen Medizin, hingegen fokussiert stärker auf den Ginkgo Samen und setzt diesen bei Asthma, Blähungen, Tuberkulose, Husten, Blasenentzündung, Alkoholvergiftung und Tripper als Behandlungsmethode ein. Heute ist Ginkgo in zahlreichen Produkten verarbeitet, die die Hirnleistung verbessern, Schwindel und Demenz lindern sollen und gegen Bluthochdruck sowie Tinnitus ankämpfen sollen. Häufig sind sie hier zu Nahrungsergänzungsmitteln verarbeitet.

Als Mittelchen, das beim Abnehmen unterstützt, kann der Ginkgo im Übrigen nicht dienen. Hierbei helfen grüner Tee sowie diese Lebensmittel eher auf dem Weg zur Traumfigur.

Wie der Ginkgo zurück nach Europa kam

Mit Blick auf den Anfang dieses Beitrags, bei dem der Dichter und Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe für diesen Artikelauftakt bemüht wurde, bleibt nun noch die Frage: Reiste Goethe etwa nach Asien, um den Baum kennenzulernen, dem er ein Gedicht widmen sollte? Nein. Im 18. Jahrhundert wurde der Rückmarsch des Ginkgos nach Europa eingeläutet. In den Niederlanden wurden die ersten Ansiedlungsversuche unternommen. Noch heute stehen dort Nachkommen der ersten Ginkgo-Ansiedlungsversuche und fungieren dort als Zeitzeugen.

Seiner natürlichen Widerstandskraft und Immunität gegen Umweltverschmutzung, Bakterien und Schädlinge ist es zu verdanken, dass der Ginkgo sich sogar in der Großstadt behaupten konnte. Der Grund: Versuche ergaben, dass selbst die Autoabgase in Tokio ihm nichts haben anhaben können.

Nach dem der Ginkgo zudem noch zum „Baum des Jahrtausends“ ernannt wurde (vgl. baum-des-jahres.de), wurde dabei auch aufgelöst, wie Goethe auf Tuchfühlung mit dem Ginkgo gehen konnte. Ende des 18. Jahrhunderts nämlich wurde in Jena der sogenannte „Goethe-Ginkgo“ gepflanzt, der zum Vorbild des Gedichts von 1815 werden sollte. Auch Karlsruhe, München, Mönchengladbach, Frankfurt, Heidelberg und Weimar erhielten den Beinamen als wahre Ginkgo-Städte und in Dresden gibt es noch heute die berühmte Ginkgo-Allee, die Hans-Sachs-Straße.

Nicht immer sind sie beliebt, denn wer beim Pflanzen nicht auf das Geschlecht achtet, hat mit einer enormen Geruchsbelästigung zu kämpfen, die biologisch begründet ist: Die weiblichen Bäume verbreiten ihren Samen – und das riecht man. Wer indes männliche Ginkgo-Pflanzen eingesetzt hat, kann den Anblick der Bäume genießen, ohne die Nase zu rümpfen. Die Haus- und Hof-Variante des majestätisch wirkenden Baumes, der nicht gerade eine Haushaltsgröße misst, ist übrigens der Bonsai-Ginkgo, der über Jahre hinweg in einem handlicheren Format gezüchtet wurde. Auch der Zwergen-Ginkgo stammt aus China und wurde anschließend nach Europa importiert.

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