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Grüner Kaffee-Extrakt - trendy Super-Food oder bedenklich?

Nachhaltigkeit, Bio-Lebensmittel oder Super-Food – in den letzten Jahren wirbeln immer neue Trends die Lebensmittelbranche durcheinander. Dahinter steht die Idee, mithilfe der richtigen Inhaltsstoffe sich gesund zu ernähren. Je stärker einzelne Verbrauchergruppen den verarbeiteten Produkten der Lebensmittelbranche misstrauen, umso stärker wird der Drang nach Alternativen.

Die ungerösteten Bohnen der Kaffeepflanze enthalten unter anderem Chlorogensäure. Dieser werden mitunter gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben.

Diese Tatsache ist ein Grund, warum bereits seit Jahren die Biobranche und alternative Foodtrends boomen. Beispiel: Laut einer Untersuchung des EHI Retail Institute lag der Umsatz in der Bio-Branche 2015 bei 8,62 Milliarden Euro.

Und gezählt wurde hier nur jener Umsatz, den der Lebensmittelhandel direkt im Abverkauf an den Endverbraucher erwirtschaftet hat. Die Nachfrage im Außer-Haus-Segment – also den Konsum von Lebensmittel in ökologisch ausgerichteten Restaurants – hat man hier nicht mit gezählt. Aber: Ist der Hype um Lebensmittel wie:

  • Chia-Samen
  • Maca
  • Goji-Beeren

gerechtfertigt? Hierbei handelt es sich um bereits etwas bekanntere Super-Food. Das Problem: Der Begriff Super-Food ist nicht geschützt. Er suggeriert in hohem Maß einen positiven Nutzen für die Gesundheit. Mitunter beruhen die Annahmen aber lediglich auf isolierten Betrachtungen zu den Inhaltsstoffen – ohne kontextuelle Verbindungen zum Gesamtkonzept Ernährung zu erlauben. Einer der neueren Super-Food-Trends ist der Verzehr von Grünem Kaffee-Extrakt.

Grüner Kaffee-Extrakt: Die Inhaltsstoffe

Grüner Kaffee-Extrakt beruht eigentlich auf genau jener Grundzutat, die in vielen Haushalten jeden Morgen als mehr oder minder dunkles Getränk in die Tasse plätschert. Die Rede ist vom Kaffee. Botanisch gehören die Kaffeepflanzen (z. B. Coffea arabica oder Coffea canephora) zu den Rötegewächse (Rubiaceae).

In Gebrauch seit Jahrhunderten – auch in Europa – wird vor allem die geröstete Variante getrunken. Erst durch diesen Verarbeitungsprozess entsteht der typische Geschmack. Als grüne Bohne sind Geruch und Geschmack eher unangenehm.

Warum dann das Grüne Kaffee-Extrakt in die Ernährung einbauen? Der wichtigste Grund, warum sich in den letzten Jahren zuerst in den USA ein entsprechender Trend entwickelt hat, ist die in der ungerösteten Bohne enthaltene Chlorogensäure. Letztere wird beim Röstvorgang umgesetzt. Man geht für diese organische Verbindung davon aus, dass die Aufnahme von Zucker und Fetten gehemmt wird. Spätestens hier dürfte klar werden, auf welchen Bereich das Extrakt abzielt: Wie folgender Ratgeber beschreibt, wird das Extrakt auch zum Abnehmen angewandt.

Neben der Chlorogensäure sind in Kaffeebohnen aber noch ganz andere Inhaltsstoffe enthalten. Dazu gehören:

  • Koffein (je nach Pflanze in unterschiedlicher Konzentration)
  • Trigonellin (Derivat des Vitamins B6)
  • einige wenige Vitamine
  • Fette (in Form von Kaffeeölen)
  • Aminosäuren und Kohlenhydrate.

Neben der Chlorogensäure ist interessant, dass Kaffeebohnen auch antioxidativ wirksame Substanzen enthalten – wie Tocopherole. Diese gehören zu den Kaffeeölen. Aber: Wie die Chlorogensäure welche durch den Vorgang des Röstens abgebaut wird, gehen auch die anderen positiven Inhaltsstoffe bei der Verarbeitung für den Konsum als Kaffee verloren.

Wirkung des Kaffee-Extrakts

Die positiven Eigenschaften des Extrakts werden vordergründig mit dem Vorkommen der Chlorogensäure in Verbindung gebracht. Betrachtet man diesen Inhaltsstoff, lassen sich verschiedene Wirkungen aushalten, welche einen grundlegend positiven Eindruck erwecken.

Zuerst ist an dieser Stelle natürlich der antidiabetische Effekt herauszustreichen. Die Chlorogensäure steht im Verdacht, die Zuckeraufnahme zu reduzieren. Damit verringert sich der Anstieg des Blutzuckerspiegels nach einer Mahlzeit. Studien sprechen aber auch davon, dass Chlorogensäure einen positiven Effekt auf den Blutdruck hat – durch reduzierende Eigenschaften. Vor diesem Hintergrund wäre der Verzehr des Extrakts bei Bluthochdruckpatienten ein positiver Effekt.

Welche Wirkungen entstehen noch? Laut einer im Wissenschaftsjournal IN VIVO veröffentlichten, englischsprachigen Arbeit scheint die Chlorogensäure die Apoptose („programmierter Zelltod“ der Krebszellen) bei bestimmten Leukämien auszulösen.

Aber: Alle genannten Wirkungen sind zwar wissenschaftlich bekannt – allerdings oft nur unter Laborbedingungen oder im Tierversuch nachgewiesen. Letztlich ergibt sich in Bezug auf das Extrakt bzw. die Grüne Kaffeebohne ein differenziertes Bild. Die Inhaltsstoffe und Laborergebnisse sind vielversprechend. Allerdings lässt sich hieraus bislang keine therapeutische oder pharmazeutische Verzehrempfehlung ableiten.

Wann lohnt sich Grüner Kaffee-Extrakt?

Beobachtet man die Trend im Bereich Super-Food allgemein und jenen um das Grüner Kaffee-Extrakt, scheinen zwei Dinge offensichtlich: In den Kaffeebohnen sind tatsächlich gesundheitlich positive Substanzen enthalten. Auf der anderen Seite ist allerdings nicht abschließend gesichert, dass diese Inhaltsstoffe in der favorisierten Darreichungsform tatsächlich die erhoffte positive Wirkung haben.

Lohnt es sich, zum Grüner Kaffee-Extrakt zu greifen? Gerade wenn man verzweifelt versucht, Gewicht zu reduzieren scheint das Ganze wie ein Wundermittel zu wirken. Zitiert werden häufig Studien, welche die Gewichtsreduktion ganz ohne Änderung der Ernährung oder Sport belegen sollen. Die Probanden – so der Tenor – haben in wenigen Wochen mehrere Kilogramm abgenommen.

Grundsätzlich sollte man sich die Mühe machen und diese Aussagen hinterfragen. Es zeigt sich, dass die Studienergebnisse zwar einen vielversprechenden Eindruck hinterlassen – und sicher zu weiteren Forschungen anregen werden. Kritisiert wird allerdings, dass die Untersuchungen unter eher unzureichenden Rahmenbedingungen stattgefunden haben. Ein breiter, auf verlässlichen Studien basierender Konsens im Hinblick auf die Wirkung muss erst noch gefunden werden.

Fazit: Grüner Kaffee-Extrakt zwischen Wissenschaft und Trend

Grüner Kaffee-Extrakt ist ein typisches Beispiel dafür, dass heute wissenschaftliche Erkenntnisse und der Drang nach einer gesunden Ernährung oft benutzt werden, um einen Markt zu kreieren. Dabei bedient sich das Marketing mitunter Studien, die auf den ersten Blick sehr beeindruckende Ergebnisse beinhalten. Das Problem: Verbraucher erfahren an dieser Stelle nicht zu den Hintergründen einzelner Arbeiten. Es macht einen Unterschied, ob die Wirkung von Grüner Kaffee-Extrakt im Labor am Tierversuch beobachtet wird – oder in innerhalb einer groß angelegten Studie mit mehreren hundert Teilnehmern.

Überhaupt sind es gerade die Rahmenbedingungen der Untersuchungen, welche für einen herben Beigeschmack sorgen. Nehmen nur wenige Dutzend Probanden an einer Studie teil und sind die Rahmenbedingungen unklar, bieten die Ergebnisse Raum für Kontroversen. Trotzdem: Die Inhaltsstoffe in den Grünen Kaffeebohnen – aus welche das Extrakt letztlich hergestellt wird – gehören zu Verbindungen mit positiven Effekten. Wer also auch bereit ist, für seine Gesundheit einmal etwas Neues zu probieren, kann hier in Maßen durchaus mal zugreifen.

Bildquellen:
Abbildung 1: pixabay.com © sarangib (CC0-Lizenz)
Abbildung 2: pixabay.com © vandelinodias (CC0-Lizenz)

So sehen geerntete Kaffeebohnen vor dem Rösten aus. Aktuell lässt sich noch nicht eindeutig sagen, inwieweit grüner Kaffeeextrakt tatsächlich positiv auf die Gesundheit wirkt.

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