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Spanische Weihnachtslotterie

Sie ist nicht die größte Lotterie der Welt (gemessen an der Gewinnsumme), sondern auch ein gesellschaftliches Großereignis.

Benjamin Klack / pixelio.de

Die spanische Weihnachtslotterie "Sorteo Extraordinario de Navidad". In Spanien ist die jährliche Lotterie tief im Bewusstsein verankert: Tradition ist bei der Weihnachtslotterie genauso wichtig, wie ein gute Portion Aberglaube.

Eine schöne Bescherung

1812 fand die erste Ziehung der Weihnachtslotterie statt. Seitdem hat sie immer mehr an Popularität gewonnen und Spanier können sich das Weihnachsfest ohne die Ziehung der Lottozahlen nicht mehr vorstellen. Am Morgen des 22. Dezember versammelt sich die Familie, ja sogar ganze Dörfer um den Fernseher, um die Übertragung der fast vierstündigen Ziehung zu schauen. Dabei wird zusammen gegessen, gelacht und mitgefiebert: Niemand weiß genau, wann der Hauptpreis (El Gordo) überhaupt gezogen wird. Die teuren Lose (200 Euro für ein volles Los) werden traditionell mit Freunden, der Familie oder dem Verein geteilt. Jedes Los kann in zwanzig Zehntellose (décimos) aufgeteilt werden. So freuten sich in der Vergangenheit schon ganze Dörfer über hohe Gewinne.

Aberglaube inbegriffen

Egal ob der eigene Geburtstag, Krönungstag von König Felipe VI oder der Gründungstag einer Partei: Bestimmte Losnummern sind Jahr für Jahr ganz besonders beliebt. Und für ihr Wunschlos nehmen Spanier sogar Reisen auf sich. Nicht alle Nummern werden überall verkauft, sie werden je nach Bedarf an eine der 10.000 Verkaufstellen ausgeliefert. Wer eine bestimmte Nummer sucht, der kann sich sogar im Internet darüber informieren, wo sie verkauft wird. Auch diese Verkaufstellen erreichen in Spanien oft Kultstatus, wie z. B. die "Goldhexe" im dem Dorf Sort (Glück) oder der historische Kiosk "Doña Manolita" in Madrid.

Die Psychologie des Glücks

Das System der spanischen Weihnachtslotterie ist speziell so ausgelegt, dass möglichst viele Menschen in den Genuss eines Gewinns kommen. Die Gewinnchancen liegen mit 15% relativ hoch, die Ausschüttung beträgt ganze 70% von den Gesamteinnahmen - zum Vergleich, die deutsche Lottogesellschaft schüttet ca. 50% aus. Die Losverteilung wird jedes Jahr neu festgelegt, im Jahr 2013 waren es 160 Losserien, d. h. Lose pro Nummer. Dies bedeutet, dass 1600 décimos (Zehntellose) die gleiche Nummer tragen und der Hauptgewinn also auf diese Anzahl Menschen aufgeteilt wird. Tatsächlich ist es so, dass in Spanien fast jeder jemanden kennt, der schon einmal in der Weihnachtslotterie etwas gewonnen hat. Sogar Psychologen haben das Phänomen untersucht und kamen zu dem Schluss: Eine hohe Gewinnwahrscheinlichkeit und der Fakt, dass fast jeder schon einmal in Berührung mit einem Gewinn kam, sind der Hauptgrund für die gleichbleibend hohe Beliebtheit der Sorteo Extraordinario de Navidad. Die Bedeutung der Weihnachtslotterie ist also nicht nur Spannung, Tradition oder Aberglaube, sondern berührt auch den "Geist der Weihnacht": Je mehr Menschen glücklich gemacht werden, desto glücklicher wird man selbst.

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