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Wird heute noch derselbe Fußball gespielt, wie vor 20 Jahren?

Im Laufe der vergangenen Jahre hat sich einiges im Fußball verändert. Nicht nur die Frisuren sind kürzer geworden, sondern auch das ein oder andere Passspiel oder Interview. Eine Entwicklung, die mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 ihren Höhepunkt gefunden hat.

Vor 20 Jahren war noch vieles anders. Fußball wurde eher mit Herz, als mit Verstand gespielt. So war es die Regel, dass die meisten späteren Profifußballer oder auch Weltmeister aus dem Jahre 1990 ihre ersten Schritte auf dem Bolzplatz oder dem Amateurverein aus der Nachbarschaft gemacht haben. Dabei war es keine Seltenheit, mit älteren Mitspielern oder gar anderen Generationen zu spielen und sich die Knie auf den Hartplätzen aufzuschürfen.

Auch der Umgangston war wesentlich emotionaler und gradliniger. Es wurde gespuckt, getreten und nicht selten verbal oder mit Gesten beleidigt - berüchtigt ist der legendäre „Stinkefinger“ von Stefan Effenberg. Entsprechend war die Körpersprache auch wesentlich härter und „machohafter“. Rhetorikkurse oder auch psychologische Schulungen waren daher weder angeraten noch Gang und Gäbe - unabhängig, bei welchem Verein man unter Vertrag stand.

Mit Eintritt der immer mehr im Vordergrund stehenden Kommerzialisierung und dem Verlangen, den deutschen Fußball nach dem Weltmeistertitel des Jahres 1990 auf die nächste Ebene zu katapultieren, wurde die fußballerische Ausbildung reformiert und Profivereine gedrängt, in den Nachwuchs zu investieren. Seitdem war es nicht mehr üblich, in Amateurmannschaften den Weg des Profifußballers einzuschlagen. Vielmehr ist der Beruf des Profifußballers ein anerkannter Ausbildungsberuf geworden. Mit der Folge, dass immer weniger der Zufall eine entscheidende Rolle bei der Sichtung eines Spielers gespielt hat, sondern in welchem Fußballinternat „das Laufen gelernt wurde“. So wechselte z.B. Mario Götze mit 9 Jahren zum Bundesligist Borussia Dortmund.

Der heutige Fußball ist wesentlich systematischer. Bereits während des „laufen Lernens“ im Profiverein wird regelmäßig gesichtet, selektiert, große Karrieren prognostiziert und Wege geebnet. Mit der Folge, dass immer weniger vom „Zufall“ oder „großem Glück“ gesprochen wird. Leider ist dies manch einem Bundesligaprofi aus dem Gesicht zu lesen. Für Lothar Matthäus - dem Weltfußballer von 1991 - , der seine „Ausbildung“ noch in einem Amateurverein genossen hat und erst im Erwachsenenalter zum Profifußballer emporgestiegen ist, wäre ein lustloser, gelangweilter und gezwungener Gesichtsausdruck undenkbar gewesen.

Natürlich ist der heutige Fußball nicht von derartigen Zügen geprägt. Heutzutage sind die Fußballer schneller und mit einer vielseitigeren Technik und Taktik geschult. In Anbetracht des ein oder anderen - „nichtssagenden“ - Interviews wird natürlich gelegentlich ein Rhetorikkurs besucht. Dies ist allerdings nicht zu verübeln, wenn man die heutigen Journalisten und deren provozierende Fragen betrachtet. Entsprechend wird ein „Ausraster“, der sich fernab vom gelehrten Idealverhalten befindet, heutzutage umfangreicher polarisieren, als noch vor 20 Jahren. Zugegebenermaßen erden diese Fauxpas den heutigen Fußball und verdeutlichen, das fernab der Systematik noch immer ein Funken Persönlichkeit, Menschlichkeit und dadurch natürlich auch der Charme des 90er Jahre Fußballers weiterlebt.

Aber auch fernab des Fußballfeldes hat sich einiges verändert. Fußballfans auf der ganzen Welt verfolgen Ihre Teams, fiebern einen jeden Spieltag entgegen und hoffen auf einen positiven Ausgang der bevorstehenden Partie. Natürlich sind dies ebenfalls Charakteristika des damaligen Fußballs. Allerdings spielt heutzutage nicht mehr ausschließlich das Geschehen auf dem Platz die entscheidende und antreibende Rolle des Fußballliebhabers. Denn immer mehr Zuschauer erhoffen sich durch den Sieg des - im Idealfall - eigenen Teams einen finanziellen Schub in der Geldbörse. So ist es nicht selten, dass der ein oder andere Euro auf einen bestimmten Ausgang eines Fußballspiels gesetzt wird. Mit der Folge, dass sich mittlerweile einige Unternehmen und Startups - z.B. www.tipstersbet.de - in diesem Genre etabliert und den damaligen verruchten Touch von Sportwetten ad acta gelegt haben. Zur damaligen Zeit wäre eine ähnliche Entwicklung undenkbar gewesen. Heutzutage profitieren sowohl Verein, als auch der Fan vom Angebot, sei es durchs Sponsoring oder vom Unterhaltungsfaktor.

Es hat sich tatsächlich einiges im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert. Die Vielseitigkeit sowohl auf dem Platz, als auch auf der Tribüne, die Liebe fürs Detail, aber auch die „Glätte“ im ein oder anderen Interview zeichnen den heutigen Fußball aus. Es wirkt, als würde zu Beginn eines jeden Jahres das „Uhrwerk“ neu justiert, allerdings einige Zahnrädchen fehlerhaft montiert werden. Doch genau diese Kleinigkeiten lassen den heutigen Fußball so sehenswert und spannend erscheinen.

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